Alleinsorge oder gemeinsame Sorge

Die obergerichtliche Rechtsprechung zur Alleinsorge oder der gemeinsamen elterlichen Sorge ist unterschiedlich. Zum Teil wird die Ansicht vertreten, eine gesetzliche Vermutung, die gemeinsame elterliche Sorge sei für das Kind die optimale Wahrnehmung elterlicher Verantwortung, existiere nicht. Voraussetzung sei vielmehr, dass eine tragfähige soziale Beziehung der Eltern sowie die Fähigkeit zur Kommunikation und Konsensfindung vorhanden sind.

Ist dies nicht der Fall, sei die elterliche Sorge aufzuheben.

Demgegenüber steht die Rechtsprechung anderer Obergerichte.

Danach entspricht es dem Kindeswohl am besten, wenn beide Elternteile auch nach der Trennung und Scheidung Verantwortung für das Kind gemeinsamen tragen. Alleinsorge soll nach dieser Rechtsprechung auf absolute Ausnahmen beschränkt werden. In den allermeisten Fällen ist danach eine Übertragung der elterlichen Sorge auf einen Elternteil nicht erforderlich.

Allein das Zerwürfnis zwischen Elternteilen wird hierbei nicht ausreichend erachtet. Die Aufhebung der gemeinsamen elterlichen Sorge komme nur dann in Betracht, wenn sich das Zerwürfnis auch negativ auf das Kindeswohl auswirkt.                

Variante: Wechselmodell

Grundsätzlich stehen die Obergerichte einem Wechselmodell kritisch gegenüber. So könne gegen den Willen der Eltern ein Wechselmodell nicht familiengerichtlich angeordnet werden. Ein Wechselmodell ist nicht mit dem Kindeswohl vereinbar, wenn das Kind durch diesen Wechsel belastet werde. Ein Teil der Rechtsprechung geht sogar so weit, dass ein Wechselmodell auch dann nicht angeordnet wird, wenn dies dem Kindeswohl am besten entspricht.


Kategorie: Familienrecht
Von: Helge Boelsen, Fachanwalt für Familienrecht
29.08.2015


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Helge Boelsen
ist Fachanwalt für Familienrecht und Strafrecht.