Indizien einer altersbedingten Diskriminierung eines Stellenbewerbers im öffentlichen Dienst (zu BAG 8 AZR 429/11)

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in einer Entscheidung aus Januar 2013 entschieden, dass ein öffentlicher Arbeitgeber, der mit einer an „Berufsanfänger“ gerichteten Stellenanzeige für ein Trainingsprogramm“ Hochschulabsolventen/Young Professionals“ sucht und infolge dessen einen 36-jährigen Bewerber (mit Berufserfahrung bei einer Rechtsschutzversicherung als Rechtsanwalt) ablehnt, somit ein Indiz für eine Benachteiligung dieses Bewerbers nur wegen seines Alters gesetzt hat.

Der Arbeitgeber muss dann im Streit vor Gericht beweisen können, falls sich der Abgewiesene auf die Altersdiskriminierung beruft, dass ein solcher Verstoß eben nicht vorgelegen hat.

Nach Gang durch die Instanzen fand die Behauptung des Klägers, man habe ihn nur deswegen nicht genommen, weil er angesichts der Formulierung in der Stellenanzeige zu "alt" sei, vor dem BAG Gehör.

Das Bundesarbeitsgericht sah es trotz der Behauptung der Arbeitgeberin, sie stelle nur nach Examensnoten die Bewerber ein, die nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung für die Stelle am besten geeignet wären, nicht automatisch als gegeben an; dies müsse die Arbeitgeberin beweisen.

Dies deswegen, weil der Kläger eine solche Bewerberauswahl durch die Beklagte bestritten hat und aufgrund der Stellenanzeige das Bundesarbeitsgericht dieses eben als Indiz für eine Altersdiskriminierung bejahte, so dass das Urteil an das LAG Berlin-Brandenburg zur weiteren Sachaufklärung zurückverwiesen wurde.

Zitiert nach juris, BAG, Urteil vom 24.01.2013, 8 AZR 429/11.


Kategorie: Arbeitsrecht
Von: Frank Jumpertz, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Sozialrecht
07.01.2015


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Frank Jumpertz ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Sozialrecht.